„SOLIDARITÄT GEGEN DAS CORONA-VIRUS“

Interview mit BGV-Präsident Arno Malte Uhlig

Exel: Arno Malte Uhlig, seit Wochen hat Corona alles im Griff – leider auch den Golfsport. Welche Reaktionen kommen beim BGV an?

Uhlig: Wir bekommen natürlich Rückmeldungen von unzufriedenen Golfern. Manche verstehen nicht, warum sie bei schönem Wetter nicht auf den Golfplatz dürfen. Aber es geht nicht anders. Es gibt die geltenden Regeln des Staates – selbstverständlich auch für uns Golfer.

Exel: Die allermeisten Golfclubs verstehen das und haben sofort ihre Anlagen geschlossen. Einige aber nicht – die haben spielende Golfer weiter geduldet – manchmal sogar fast eingeladen mit sogenannten – ehrlich gesagt geschmacklosen  – „Corona-Greenfees“. Haben Sie Verständnis für die Clubs?

Uhlig: Nein! Aber man muss da unterscheiden: es gibt ja die vereinsgeführten Clubs, da ist eigentlich alles klar. Die bekommen ihre Mitgliedsbeiträge. Deutlich schwieriger ist die Lage bei den betreibergeführten Anlagen. Grundsätzlich ziehen alle an einem Strang – allerdings haben einige wenige versucht, hier auszuscheren und sowohl die behördlichen Anordnungen als auch die Solidarität der Golfclubs zu unterlaufen. Das ist mehr als traurig.

Exel: In den vergangenen Jahren ist es dem Golfsport ja durchaus gelungen, das Image des Schnöselsports abzubauen. Besteht die Gefahr, dass jetzt in kurzer Zeit diese Erfolge wieder zunichte gemacht werden?

Uhlig: Absolut! Mit dem gleichen Argument könnten ja auch die Tennisspieler sagen: wir spielen doch Einzel – da begegnen wir uns doch auch nicht und haben ein ganzes Tennisfeld zwischen uns. Da höre ich nichts. Aber einige – man betone – wirklich sehr wenige Golfclubs haben in den ersten Tagen versucht, irgendwelche Lücken zu finden. Das ist falsch und hat uns nicht gut getan.

Exel: Aber viele Golfer haben gedacht: Mensch, Golf ist ja fast schon ideal: Du spielst nur mit Dir und dem Ball, berührst keinen und hast viel Abstand zu den Mitmenschen. Verstehen Sie diese Sichtweise?

Uhlig: Auch einige Ärzte haben dies ja so erklärt. Aber es geht ja um was ganz anderes: wenn ein Spieler oder vielleicht auch zwei gemeinsam eine Runde gehen, mag das vielleicht stimmen. Wenn aber plötzlich alle spielen wollen und sich einige Flights am ersten Abschlag treffen, sind wir schon weit weg von den Anordnungen. Da haben wir ein Problem. Man kann von den Behörden nicht verlangen, das sie in dieser zeit jede Sportart penibel untersuchen: was geht und was nicht. Und nochmal: es geht jetzt um Solidarität im Kampf gegen das Corona-Virus. Die gilt eben für Golfer wie für Tennisspieler und alle anderen Sportler auch.

Exel: Nun war die wirtschaftliche Situation zuletzt bei einigen Clubs nicht rosig. Dazu kommt jetzt der Mega-GAU Corona. Wie wird sich die Szenen entwickeln?

Uhlig: Es wird alle treffen. Alle Golfclubs leiden natürlich. Gerade jetzt in den Monaten März, April und Mai würden Golfinteressierte angesprochen. Diese Zeit fällt uns möglicherweise völlig weg. Wir arbeiten gerade mit dem BLSV an einer sportdifferenzierten Gemeinschaftslösung. Zudem versucht der BLSV – das ist auch mal wichtig zu sagen – Entschädigungen für Vereine in der Politik einzufordern und die Vereine damit zu unterstützen. Die Golfplatzbetreiber können Schutz der Wirtschaftsministerien beantragen. Der BGV informiert gern über die Möglichkeiten. Aber natürlich ist das alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Exel: Wie wird die Golfsaison 2020 Ihrer Meinung nach denn überhaupt weitergehen bzw. aussehen?

Uhlig: Das ist sehr schwer vorauszusehen. Keiner weiß momentan, wie lange die Einschränkungen weitergehen. Wir haben beim BGV verschiedene Szenarien vorbereitet. Der BGV wird dabei vermutlich auf die meisten seiner Turniere in diesem Jahr verzichten, um den Clubs nicht noch Konkurrenz zu machen, wenn wir möglichst bald doch wieder spielen können. Der DGV sollte da mitziehen und ähnlich agieren.

Exel: Und was passiert mit den Ligen in Bayern?

Uhlig: Auch das ist Ende März ganz schwer vorherzusagen. Wahrscheinlich müssen wir den Spielbetrieb dieses Jahr ganz oder teilweise aussetzen und dann gegebenenfalls auf dem Stand von Ende 2019 aufbauend in 2021 hoffentlich reibungslos starten. Aber wie gesagt: momentan ist wirklich nichts seriös vorherzusagen.

Das Interview führte Ralf Exel